Wo der TSV 1909 Ilbeshausen Fußball seine ersten Schritte machte

Hier wurde von 1946 an mehr als zehn Jahre lang Fußball- und auch Feldhandball gespielt. Heute fungiert das Areal als Teil des Kurparks.  Foto: Henning

Mit seinen Abteilungen Frauen- und Herrenfußball, Tischtennis, Gymnastik, Reha-Sport und Wandern genießt der mittlerweile 111 Jahre alte Verein einen großen Bekanntheitsgrad.

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. Ilbeshausen. Als am 26. Mai 1909 der "Turnverein zu Ilbeshausen" von 43 sportbegeisterten Männern gegründet wurde, konnte keiner voraussehen, welch weitreichenden Stellenwert der heutige Turn- und Sportverein über die Grenzen des Vogelsberges hinaus einnehmen werde. Mit seinen Abteilungen Frauen- und Herrenfußball, Tischtennis, Gymnastik, Reha-Sport und Wandern genießt der mittlerweile 111 Jahre alte Verein einen großen Bekanntheitsgrad, nicht zuletzt auch hinsichtlich der alljährlichen "Bierwanderung".

Der Vereinsgründung zugrunde gelegt wurde statt einer Satzung ein "Grundgesetz", in dem klar geregelt war, dass es unter anderem Anleitungen zu geregelten Turnübungen als Mittel zur "körperlichen und sittlichen Kräftigung" gibt. Dennoch war bei vielen jungen Mitgliedern der Wunsch nach körperlicher Ertüchtigung in Form von Fußball vorhanden.

Auf dem holprigen Gelände oberhalb des heutigen kleinen Kurparks richtete man einen Fußballplatz her, so dass im Oktober 1911 das erste Fußballspiel stattfinden konnte, das jedoch gegen Gedern mit einer 0:14 Niederlage endete. Gleich nach dem 1. Weltkrieg wurde 1919 der Fußballbetrieb wieder aufgenommen. Soweit es möglich war spielte man unter freundschaftlichen Bedingungen gegen Mannschaften aus dem Landkreis Lauterbach. Allerdings: Bis 1937 gab es nach wie vor keinen geregelten Spielbetrieb.

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1946 trat der Fußball in Ilbeshausens wesentlich deutlicher zu Tage. Dank der Engagements von Hermann Bloß, Albert Stier, Kurt Spoerle und Karl Ruhl entwickelte man neue Ideen für die Jugend, zudem kam noch Bürgermeister Johannes Ochs als großer Förderer hinzu. Begünstigt wurde die sportliche Entwicklung durch die Rückkehr Kriegsgefangener sowie Heimatvertriebener. Die damals wohl bekanntesten Namen waren Otto Klier, Hans Bartel und Otto Seidel, die eine tragende Säule darstellten. In dieser Blütezeit zwischen 1946 und 1949 unterhielt der TSV je eine Herrenfußball- und eine Feldhandball-Mannschaft, auch gab es ein Frauen-Feldhandball-Team.

Für diese beiden Ballsportarten legte der Verein oberhalb von "Schneider Lufts", dort wo heute der Kurpark samt Ententeich angesiedelt ist, einen Sportplatz an. Dieser Sportplatz, der nach Osten hin eine kleine Hanglage aufwies, war sonntags ein Zuschauer-Magnet. Ältere Zeitzeugen berichten aber auch, dass dieser Sportplatz weitere Funktionalitäten aufwies: So gab es unterhaltsame Wettbewerbe, beispielsweise ein "Traktoren-Geschicklichkeits-Wettbewerb", an den sich noch der heute 64-jährige Wilfried Ochs erinnert: "Als kleiner Junge war ich dabei, als mein Vater als Gewinner einen 'Zinkeimer' als Siegerpreis erhielt." Auch gab es zu dieser Zeit noch einen Ausweichplatz jenseits des "Schwarzbachs" gegenüber der "Zeilmühle".

Bei der Suche nach Aktiven konnte aus dem Vollen schöpfen, zählte doch Ilbeshausen aufgrund vieler Heimatvertriebenen und Evakuierten mehr als 1500 Einwohner. Die TSV-Fußballer waren schon zur damaligen Zeit ein "Schwergewicht" auf fußballerischer Ebene. Allerdings: 1950 befand sich der Ilbeshäuser Fußball in einer Krise, letztendlich musste der Spielbetrieb der ersten Mannschaft bis zum Spätsommer 1953 eingestellt werden, lediglich eine Jugendmannschaft war noch aktiv.

Gestärkt durch die herangewachsenen Jugendfußballer wie Willi Kaiser, die Jost-Brüder, Willi Kimpel, Horst Bloß, Albert Hansel oder auch Willi Gutermuth traten neue sportliche Impulse hervor. Diese "jungen Wilden", zusammen mit den älteren erfahrenen Aktiven wie Otto Klier, Heinz Lang, die Schäfer-Brüder, Karl Ochs und Otto Follak, bildeten ein ganz starkes Team. Manche Meisterschaft und Pokalerfolg wurde errungen. Der TSV Ilbeshausen war zu dieser Zeit eine der stärksten Mannschaften im Vogelsberg.

Jahre 1956 begann die Verlegung des Sportplatzes in die "Waldstraße", der damaligen Hauptstraße Richtung Lanzenhain. Dank der Hilfe vieler Mitglieder konnte im Mai 1958 ein Umkleidegebäude eingeweiht werden, 1972 wurde dieses mit Duschkabinen und Gastraum erweitert. Im gleichen Jahr wurde auf Initiative des unvergessenen Aktiven und Förderers Kurt Spoerle erstmals ein Alte-Herren-Fußballturnier durchgeführt, das auch heute noch Bestand hat.

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1968 errichtete der TSV Ilbeshausen als erster Verein im Kreis Lauterbach eine Flutlichtanlage. Aufgrund eines hervortretenden felsigen Untergrundes war eine Sanierung des Rasenplatzes an der Waldstraße 1974 unabdingbar. Deshalb wurden zwei Jahre lang die Fußballspiele auf einem Ausweichplatz "In den neuen Äckern", nahe des Nösbertser Bahnhofs, austragen. Sieben Jahre später gab nach 19-jähriger engagierter Vorsitzendentätigkeit Hans Ruhl sein Amt ab an Gerold Beckmann, dem heutigen Ehrenvorsitzenden, der bis 1990 die Vereinsgeschicke leitete und als Aktiver zur 1968er-Meistermannschaft gehörte, bei der über die Grenzen des Kreises hinaus bekannte Fußballpersönlichkeiten wie Walter Bloß, Werner Stier, Harald Klesper oder auch Alfred Ruppel und Werner Rühl sowie dem später hinzukommenden Wolfgang Appel die grün-weißen Farben des TSV mit Meisterschaft und Kreispokalgewinn sehr erfolgreich vertraten.

Ein weiterer Meilenstein war Errichtung des nebenan liegenden zweiten Sportplatzes (heutiger A-Platz), der im Mai 1989 eingeweiht wurde. Einen erneuten Glanzpunkt in der TSV-Bewegung bildete die Einweihung des neuen Sportlerheimes 2004 unter der Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden Manfred Löffler, das auch der Tischtennis-Abteilung und Gymnastikgruppen dient. Dies war auch ein Verdienst des damaligen Vorsitzenden Wilfried Ochs, dem "Hans Dampf in allen Gassen", der von 1996 bis 2014 als Nachfolger Richard Löfflers das TSV-Zepter schwang und noch heute dem Teamvorstand angehört.