Handball-Bundesligist HSG Wetzlar zu schwach für erfolgreiche...

Nicht, dass die Wetzlarer Handballer keine Chancen gehabt hätten, Anton Lindskog kommt hier völlig frei gegen die Berliner Abwehr. Doch insgesamt ist die Leistung zu schwach für einen Heimsieg. Die Gäste gewinnen mit 29:24. Foto: Ben

Dem Auswärtscoup in Gummersbach folgt keine Wiederholung, Handball-Bundesligist HSG Wetzlar enttäuscht gegen die Füchse Berlin und verliert mit 24:29.

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WETZLAR. Nach dem Heimsieg über Frisch Auf Göppingen und dem Husarenstreich beim VfL Gummersbach schien die HSG Wetzlar den Weg aus der Abstiegszone der Handball-Bundesliga gefunden zu haben. Doch gegen die stark ersatzgeschwächten Berliner Füchse folgte der Rückfall in die Wetzlarer Vergangenheit. Vor 3786 Zuschauern in der erneut nicht ausverkauften Rittal-Arena genügte den Gästen eine solide Vorstellung, um mit einem hochverdienten 29:24 (14:12)-Erfolg zurück in die Bundeshauptstadt zu fahren.

"Ich bin sehr enttäuscht, Wir waren heute einfach nicht da, so wie in den letzten Spielen. Nach dem 18:17 hatte ich auf einen Ruck gehofft, doch dann kam eine Fehlpassserie. Das löst momentan ein permanentes Auf und Ab bei uns aus", erklärte ein niedergeschlagener HSG-Coach Kai Wandschneider nach dem Schlusspfiff.

Die Hoffnung der Mittelhessen trog, die Verletztenmisere der Berliner könnte den Ausschlag für den ersten Heimsieg über die Füchse nach neun Jahren geben. Sehr schnell machte sich nämlich bemerkbar, dass die Mannschaft von der Spree in fast allen handballerischen Belangen den Hausherren überlegen war. Diesen fehlte im Angriff Spielwitz und Durchschlagskraft, in der Abwehr Beweglichkeit und Aggressivität. So wunderte es nicht, dass die Berliner Resttruppe mit kämpferischen Einsatz ihrer Abwehrspezialisten einen Innenblock stellte, der für die viel zu langsamen Ballpassagen der Lahnstädter immer wieder ein unüberwindbares Bollwerk war.

HSG Wetzlar - Füchse Berlin 24:29

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Und kam doch einmal ein Wetzlarer in Wurfposition, dann stoppte ein rustikaler Zugriff die Aktion, was in der ersten Halbzeit folgerichtig auch von den ausgezeichnet leitenden Unparteiischen Schulze/Tönnies mit sechs Siebenmetern bestraft wurde. Berliners Trainer Velimir Petkovic hatte aus der bekannten Personalnot eine Tugend gemacht, die taktisch bestens funktionierte. "Angesichts unserer vielen Ausfälle war es schwierig, im Angriff ein System zu finden. Deshalb wussten wir, wir müssen in der Abwehr 50 Prozent besser stehen als zuletzt", fand der Füchse-Coach die beste Erklärung für die Vorstellung seines Teams. Schon nach 24 Minuten sah es angesichts der Einfallslosigkeit der Wetzlarer Offensive beim Stand von 8:12 düster für die Lahnstädter aus. Als jedoch Johan Koch nach einem groben Foul gegen Olle Forsell-Schevert die Rote Karte sah und wenig später Bjarki Elisson auch noch zwei Minuten vom Feld musste, glaubten die Mittelhessen an ihre Chance und kamen durch Lindskog, Lux und Holst zum 12:13-Anschluss, ehe Marsenic die 14:12-Pausenführung für die Füchse erzielte.

In den ersten zehn Minuten nach Wiederanpfiff präsentierte sich plötzlich eine andere HSG Wetzlar, die den Rückstand nicht nur aufholte, sondern beim 18:17 (Holst, Tempogegenstoß, 40.)) gar in Führung ging. Doch wie gewonnen, so zerronnen. Petkovic ließ seine Abwehr jetzt in der 5:1-Formation mit dem vorgezogen Elisson decken, was prompt zu zahlreichen Missverständnissen, Fehlabgaben und überhasteten Würfen der Grün-Weißen führte. Die Berliner nahmen dankend die Ballgeschenke an und schlossen ihre Angriffe besonders durch ihren starke Kapitän Hans Lindberg von 18:18 auf 19:24 (47.) ab.

Hinzu kam, dass die Lahnstädter keinen Rückhalt im Tor besaßen. Der in der 18. Minute eingewechselte Nikola Marinovic parierte bis zur 47. Minute nur zwei Bälle, Till Klimpke hielt zwar danach noch einen Siebenmeter nebst Nachwurf, doch das war zu wenig, um der völlig verunsicherten Mannschaft noch zu helfen. Berlin spulte sein Programm hinunter, Wetzlar fand 60 Minuten lang keine Lösung gegen Füchse-Spielmacher Jacob Holm, den Mann mit dem schnellen ersten Schritt.

"Wir haben zwar in der zweiten Halbzeit etwas besser gespielt, aber die vielen technischen Fehler führten zu den Berliner Gegenstößen, die uns letztlich das Genick gebrochen haben", sagt HSG-Akteur Alexander Hermann.