HSG Wetzlar erinnert sich lieber an März als an Mai 2018

Im März dieses Jahres gewann die HSG Wetzlar mit 29:26 gegen die TSV Hannover-Burgdorf und steckte auch Joao Ferraz noch nicht in seinem aktuellen Leistungstief. Zwei Momente, die Zuversicht verbreiten für das sonntägliche Spiel. Archivfoto: Ben

Duelle mit TSV Hannover-Burgdorf wecken vor sonntäglicher Neuauflage bei heimischem Handball-Bundesligisten zwiespältige Erinnerungen.

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WETZLAR. Trainer Kai Wandschneider will seine Handballprofis nicht an dieses eine Spiel erinnern. Keine Wunden aufreißen, um eine Revanche zu provozieren. Aber wenn die HSG Wetzlar in der 1. Bundesliga am Sonntag (16 Uhr) zu Hause auf die TSV Hannover-Burgdorf trifft, dann muss der Blick auf das letzte Duell der beiden Teams gestattet sein.

Hamburg, 5. Mai, DHB-Pokal-Halbfinale. Über kein Spiel der jüngeren HSG-Geschichte ist im Vorfeld so viel gesprochen worden. Das, was dann in der ausverkauften Arena im Stadtpark passiert war, nennt Wandschneider heute "mentales Versagen". Seine Spieler erlebten die 30 bittersten Minuten ihrer Laufbahn. Zur Halbzeit war schon alles gelaufen. Grün-weißes Entsetzen angesichts eines 4:15-Rückstands. "Gut möglich, dass das der eine oder andere noch im Kopf hat", mutmaßt der HSG-Trainer vor dem Wiedersehen mit den "Recken". Für ihn spielt das Pokal-Desaster vom Mai in der Vorbereitung aber keine Rolle mehr. Zu viel hat sich seitdem verändert, auch wenn ein Grund für die damalige Pleite am Sonntag erneut zwischen den Pfosten stehen wird: Martin Ziemer.

Der Schlussmann der Turn- und Sportvereinigung entnervte die Wetzlarer seinerzeit und würde das auch liebend gerne am Sonntag tun. "Er kann auf Weltklasseniveau halten", weiß Wandschneider, warnt seine Truppe aber nicht nur vor den Qualitäten des ehemaligen Nationalkeepers, sondern schätzt die gesamte Mannschaft der Niedersachsen hoch ein: Von Olympiasieger Morten Olsen über den wiedergenesenen Europameister Kai Häfner bis hin zu den starken Außen Timo Kastening und Christian Ugalde sowie die "Kanten" am Kreis, Evgenij Pevnov und Ilja Brozovic.

HSG Wetzlar - TSV Hann.-Burgdorf Sonntag, 16 Uhr

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Für ihn spielt auch keine Rolle, dass die Hannoveraner arge Verletzungssorgen haben und auf Pavel Atman, Mait Patrail und Torge Johannsen verzichten müssen. Dieser personelle Aderlass ist jedoch ein Grund für die sportlich bislang höchst durchschnittliche Saison der TSV. 12:18 Punkten können den EHF-Pokal-Teilnehmer keineswegs zufriedenstellen. Zuletzt agierte der Vize-Pokalsieger beim 25:32 gegen den THW Kiel allerdings 50 Minuten auf Augenhöhe mit dem Favoriten. "Mir haben gegen Kiel wirklich viele Sachen sehr gut gefallen. Wir haben in der Abwehr so agiert, wie wir das wollen, und auch vorne klug gespielt. Allerdings sind wir am Ende dann müde geworden und haben dadurch mehr Fehler gemacht. Das müssen wir am Sonntag besser machen", sagt TSV-Trainer Carlos Ortega und schärft seinen Akteuren ein: "Wetzlar ist heimstark und gehört in der Abwehr zu den stärksten Mannschaften der Bundesliga."

Auf ein gutes Spiel seines Teams blickt auch Wandschneider zurück. Beim 29:30 in Flensburg hätten die Grün-Weißen einen Punkt verdient gehabt - wenn nicht sogar mehr. Über Entscheidungen der Schiedsrichter Geipel/Helbig in den beiden Schlussminuten ärgerte sich der Coach auch am Freitagmittag noch. Im hohen Norden schlug den Wetzlarern ob des couragierten Auftritts aber eine Welle der Sympathie entgegen. "So viel Zuspruch in einer fremden Halle habe ich noch nie erlebt", wunderte sich Wandschneider und zieht daraus Energie für den Endspurt im Jahr 2018. "Wir brauchen jeden Punkt", verdeutlicht der 59-Jährige noch einmal die komplizierte Situation im Abstiegskampf. 10:20 Zähler sind kein Ruhekissen.

Dass Spielmacher Filip Mirkulovski nach seiner Zerrung am Mittwoch wieder ins Training eingestiegen ist, erfreut die HSG-Verantwortlichen. Die personelle Lage bleibt dennoch angespannt. Mit Alexander Hermann und Stefan Kneer rechnet der Coach in diesem Jahr nicht mehr. Gleiches gilt für Tibor Ivanisevic und Lars Weissgerber. Immerhin trugen die Youngster Hendrik Schreiber und Torben Waldgenbach mit ihrer Unbekümmertheit zu dem gelungenen Auftritt in Flensburg bei.

Wenn die HSG an ihre Vorstellung vom Sonntag anknüpfen kann, dann ist ein Sieg möglich. Im letzten Heimspiel gegen Hannover hatte es auch geklappt. Am 18. März gelang in der Rittal-Arena ein 29:26-Erfolg. Ein Spiel, an das Wandschneider seine Schützlinge sicher gerne erinnert.