HSG Wetzlar überwindet Fluch der Ein-Tore-Niederlagen

Lenny Rubin hat das Tor fest im Visier, als Ilija Brozovic beherzt zupackt. Am Ende stehen zwei Tore in der Statistik des Schweizers beim 29:28-Erfolg seiner HSG. Foto: Ben

Handball-Bundesligist HSG Wetzlar kann auch mit einem Tor Unterschied gewinnen, das beweist er mit dem 29:28-Heimsieg gegen die TSV Hannover-Burgdorf.

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WETZLAR. Handball-Bundesligist HSG Wetzlar hat den Bann gebrochen. Nach zuletzt unglücklichen und knappen Niederlagen beanspruchten die Lahnstädter dieses Mal im Heimspiel gegen den TSV Hannover-Burgdorf Glück und Geschick für ihre Belange, um den Tabellenzehnten mit 29:28 (16:12) zu bezwingen. Vor 4077 Zuschauern in der Wetzlarer Rittal-Arena dominierten die Gastgeber im ersten Durchgang, mussten aber in der Schlussphase bange Situationen überstehen, ehe mit dem Zittersieg zwei wichtige Punkte verbucht werden konnten.

"Ich bin sehr zufrieden, dass wir das noch geschafft haben. Vor der Partie wurde ich bei Sky auf unsere knappen Niederlagen angesprochen und habe darauf geantwortet, dass sich das heute ändern müsste. Dass es aber dann doch noch so spannend wurde, war nicht zu erwarten. Im letzten Angriff standen wir vor zwei Ballverlusten, doch die Zeit war für uns", erklärte sichtlich erleichtert Trainer Kai Wandschneider später. Was er seinen Mannen für den ersten Durchgang mit auf den Weg gegeben hatte, funktionierte. Die HSG-Offensive entzog sich immer wieder den Pressing-Attacken der TSV-Abwehr, ließ den Ball geschickt in den eigenen Reihen laufen und überraschte den ansonsten starken Martin Ziemer im Tor der Gäste, sodass dieser nach den deutlichen Führungen der Hausherren (9:5, 15., und 14:10, 24.) seinen Platz für Urban Lesjak räumen musste. Prompt avancierte der junge Slowake nach der Wetzlarer 16:12-Pausenführung zur großen Stütze der TSV in der zweiten Halbzeit, die an Spannung und Dramatik nicht zu überbieten war.

HSG Wetzlar - TSV Hannover-Burgdorf 29:28

Besonders die rechte Angriffsseite der "Recken" mit dem bärenstarken Nationalspieler Kai Häfner auf der Halbposition und dem abschlusssicheren Rechtsaußen Timo Kastening sorgte dafür, dass Hannover nicht weiter in Rückstand geriet. Als HSG-Keeper Nikola Marinovic großartig gegen Kreisläufer Ilija Brozovic parierte und Kristian Björnsen im Gegenzug beim 25:20 (47.) für einen Fünf-Tore-Vorsprung sorgte, schien bei den Grün-Weißen der Sieg schon in trockenen Tüchern.

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Doch Hannover kämpfte sich vom 27:23 (53.) auf 27:26 heran. Das 28:26 durch Stefan Cavor ließ die lautstarke Unterstützung von den Rängen zu einem Orkan anschwellen, der jedoch abebbte, als Häfner eine Kempa-Vorlage von Lars Lehnhoff zum 28:27-Anschluss nutzte. Die Wetzlarer Schützen verließ nun der Mut zum Abschluss, keine zielführende Kombination wie in den ersten 30 Minuten gelang mehr. Kein Wunder, dass Mannschaftskapitän Filip Mirkulovski mit toller Einzelleistung für das 29:27 sorgte. Aber immer noch waren 90 Sekunden zu spielen.

TSV-Spielmacher Morten Olsen markierte das 29:28, und immer noch standen 54 Sekunden bis zum Schlusspfiff auf der Hallenuhr. Normalerweise zu lang, um in einer solchen Restspielzeit den Ball in den eigenen Reihen zu behalten. Aber die Grün-Weißen schafften das Unmögliche, suchten den Eins-gegen-Eins-Kampf mit der Recken-Abwehr, und als die Schiedsrichter die Hände hoben, um nur noch sechs Pässe zu gestatten, blieben die Wandschneider-Schützlinge cool. Mehrmals wurde der sechste Pass und Ballbesitz für Hannover dadurch verhindert, dass zwar mit Elan der Weg zum gegnerischen Tor, aber damit auch ein Foul der TSV-Abwehr "gesucht" wurde. Die wertvollen Sekunden vergingen, die Gäste kamen nicht mehr in Ballbesitz.

"In der ersten Halbzeit haben wir nicht gut verteidigt und sind bis in die Schlussphase dem Wetzlarer Vorsprung hinterhergelaufen. Dennoch hätten wir heute einen Punkt verdient gehabt", lautete das Statement von Recken-Kapitän Häfner, während Schlussmann Ziemer einräumte: "Wir sind zu spät aufgewacht und vier oder fünf Entscheidungen der Schiedsrichter hätten auch für uns sein können." Für Wetzlars Kristian Björnsen hatte die Mannschaft "den Job gut gemacht, obwohl wir nach der Drei-Tore-Führung zum Schluss etwas Angst bekamen". Ex-HSG-Spieler Sven-Sören Christophersen und jetziger sportlicher Leiter des TSV sah den ständigen Rückstand seines Teams darin begründet, "dass wir Wetzlar zu schnell ins Spiel haben kommen lassen."