Leichtathletik-EM: Gold für Julian Weber im Speerwerfen

Julian Weber bei der EM in Aktion.  Foto: dpa/ Michael Kappeler

Jubel bei Julian Weber! Der Mainzer Speerwerfer hat bei den Heim-Europameisterschaften mit einem Wurf über 87,66 Meter in München die Gold-Medaille gewonnen.

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MÜNCHEN. Er konnte es gar nicht fassen. Ungläubig schaute Julian Weber. Dann entlud sich die ganze Anspannung und er tanzte durchs Münchner Olympiastadion. Der Mainzer ist Europameister im Speerwerfen.

Mit einem Küsschen Richtung Kamera und Publikum grüßte Julian Weber ins weite Rund. Der Athlet des USC Mainz begann mit einem guten ersten Versuch. 83,05 Meter – Platz eins nach dem ersten Durchgang. Geballte Faust bei Weber. Ein guter Start. Doch der Topfavorit Jakub Vadlejch konterte im zweiten Durchgang: 87,28 Meter. Ein starker Versuch. Wie würde der Mainzer darauf reagieren? Weber legte alles in den zweiten Wurf. Und der Speer flog weit. Deutlich mehr als 85 Meter. Doch Deutschlands bester Speerwerfer hatte im Fallen mit dem Fuß die weiße Linie übertreten. Bitter. Der Jubel auf der Tribüne verstummte.

Klare Führung im vierten Durchgang

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Im Nacken saß Weber da der Finne Lassi Etelätalo (82,93 Meter). Auch im Dritten warf Weber wieder alles rein. Aber nur 77,01 Meter. Keine Steigerung. „Da wollte er ein bisschen zu viel“, sagte Bundestrainer Boris Obergföll. „Jetzt müssen wir schauen, dass wir ihn ein bisschen wieder runterholen.“ Andreas Hofmann musste sich nach den ersten drei Würfen schon aus dem Wettbewerb verabschieden. 74,75 Meter reichten nicht zu einem Platz unter den besten Acht und drei weiteren Versuchen.

Und Weber? Der zündete im vierten den Turbo. Blieb diesmal stehen. Und schleuderte sein Arbeitsgerät auf 87,66 Meter. Die Führung! 38 Zentimeter weiter als der bisher erste Platzierte Tscheche. Wie reagierte Vadlejch direkt im Anschluss? Er zeigte Nerven. Machte ihn ungültig. „Ich hoffe, dass er ihm ein bisschen die Hosen runtergezogen hat“, so Bundestrainer Obergföll. „Er musste direkt danach werfen und hat ihn schlecht gemacht. Vadlejch ist eigentlich keiner, der hinten raus noch kontern kann. Zumindest war das in den großen Wettkämpfen so.“

Im fünften Durchgang konnten Weber und Vadlejch sich nicht steigern. Sollte der Tscheche im letzten Versuch den Spieß noch umdrehen können? Die Antwort: Nein. Der Tscheche hatte nichts mehr in Petto. Weber verzichtete auf den letzten Wurf und ließ seiner Freude freien Lauf.