Die UEFA und der Regenbogen: Warum wir Flagge zeigen

aus Die EM 2020

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Der Frankfurter Deutsche Bank Park leuchtet in Regenbogenfarben. Eintracht Frankfurt.

Wohlfeil sind die „Respect“-Botschaften der UEFA, meint Friedrich Roeingh. Denn wenn es drauf ankommt, kuscht der Verband vor Machthabern, die Menschenrechte mit Füßen treten.

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MÜNCHEN. Es ist eine wahrlich armselige Entscheidung der UEFA. Und sie war leider vorhersehbar. Ganz nach dem Motto: „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.“ Nationalkeeper Manuel Neuer, der den Regenbogen als Kapitänsbinde trägt: okay. Ein Zeichen der UEFA selbst gegen die schwulenfeindliche Politik der ungarischen Regierung: nein. Nur nicht mit irgendjemand anlegen.

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Vor allem nicht, wenn daraus erwachsen könnte, dass man demnächst auch gegenüber anderen Machthabern Flagge zeigen sollte. Machthabern, die Menschenrechte aushöhlen, sie mit Füßen treten. Mit denen man aber Geschäfte machen kann. Weil der vermeintlich unpolitische Sport so wunderbar reinwäscht. Die UEFA weiß schon sehr genau, warum sie dem breiten politischen Druck der vergangenen Tage nicht nachgegeben hat.

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Ihre Kampagnen für Vielfalt und gegen Rassismus, ihre wohlinszenierten Botschaften unter dem Label „Respect“ – die UEFA hat sie nun selbst als wohlfeil, ja als verlogen entwertet. Also wird heute Abend die Allianz-Arena nicht in den Regenbogenfarben erstrahlen, dafür aber die Stadien in Frankfurt, Köln, Berlin und anderswo. Die Zahl der Regenbogenflaggen und anderer Zeichen für Toleranz und Gleichwertigkeit werden in Deutschland und wohl auch in anderen europäischen Ländern Legion sein. Ein wunderbares Zeichen.

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Auch die Nachrichtenportale der VRM setzen heute ein solches Zeichen. Den ganzen Tag über prangt der Regenbogen am Kopf unserer Seiten. Nicht weil unsere Aufgabe politischer Aktionismus wäre. Das ist sie nicht. In der Auseinandersetzung aber geht es um Grundrechte wie Menschenwürde, Minderheitenschutz, Selbstbestimmung und Freiheit. Werte, die für die Medienmacher der VRM unteilbar und unverhandelbar sind.

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Ersetzen können all diese symbolischen Zeichen den Ausfall der beleuchteten Münchner Arena allerdings nicht. Weil die Regenbogenhülle des Stadions die Menschen in Ungarn selbst erreicht hätte. Die Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung von Staats wegen verfolgt werden, diejenigen, die an ihrer Seite stehen – und die schweigende Mehrheit auch. Wogegen die inzwischen weitgehend gleichgeschalteten ungarischen Medien alle übrigen Regenbogen-Aktionen ihren Zuschauern und Lesern gewiss nicht nahebringen werden.

Von daher kann man nur hoffen, dass der Plan der Lesben- und Schwulenverbände aufgeht, unter den Zuschauern in der Allianz-Arena 10.000 Regenbogen-Fähnchen zu verteilen. Damit die Protestaktionen am Ende doch auch die Menschen erreicht, die auf Aufmerksamkeit und Solidarität aller freiheitlich Gesinnten angewiesen sind.