Sprinterinnen genießen das goldene Finale

Gina Lückenkemper ist das Gesicht des deutschen Leichtathletik-Aufschwungs. Foto: dpa

Staffel und Speerwerfer Julian Weber krönen Bilanz der deutschen Leichtathleten bei den European Championships und sorgen für historische Klammer zu Olympia 1972 in München.

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MÜNCHEN. München. Ein weiterer goldener Sonntag für die deutsche Leichtathletik sorgte für die atmosphärische und emotionale Krönung der European Championships. Die Sprinterinnen wollten gar nicht mehr raus aus dem Stadion, in dem sie zu Gold gestürmt waren. Es war ja auch zu schön, in den Jubelwellen von 40 000 Zuschauern zu baden. "Es war total geil, jeder Schritt, den ich auf der Bahn gemacht habe, wurde von den Menschen auf den Rängen gefeiert", frohlockte Gina Lückenkemper. "Das erlebt man nicht alle Tage, da muss man jede Sekunde genießen", ergänzte Alexandra Burghardt. "Für mich ist das einfach unbegreiflich, was in den letzten drei Tagen passiert ist", sagte Lisa Mayer, die den Lauf eröffnet hatte, den Rebekka Haase als ihre Vereinskollegin vom Sprintteam Wetzlar zum goldenen Abschluss brachte.

Nach 42,34 Sekunden lag das Quartett klar vor Polen (42,61) und Italien (42,84). Womit die deutschen Sprinterinnen übrigens nur eine halbe Sekunde schneller waren als die Staffel, die 50 Jahre zuvor an gleicher Stelle zu Olympia-Gold gelaufen war. Angeführt von Heide Rosendahl, damals ebenso zweifache Siegerin der Spiele wie es nun Gina Lückenkemper innerhalb der European Championships ist.

"Ich bin so unfassbar dankbar, unser Ärzteteam hat einen hervorragenden Job gemacht, anders wäre das nicht möglich gewesen", erklärte die Berlinerin mit ebenso strahlendem Lächeln wie ungläubigem Kopfschütteln. Hatte sie sich doch beim Sturz nach ihrem 100-Meter-Triumph einen Spike ins Knie gerammt. Weil die Wunde genäht werden musste, endete der Dienstag, an dem sie mit Zehnkämpfer Niklas Kaul für den ersten Goldrausch gesorgt hatte, in der Notaufnahme. "Ich wollte das unbedingt mit den Mädels noch mal gemeinsam erleben, ich habe es mit jeder Sekunde genossen", jubelte Lückenkemper, die im Vorlauf durch Jessica-Bianca Wessolly (MTG Mannheim) vertreten worden war, und nun doch noch ihre Stadion-Party bekam. "Ich hoffe, dass wir nicht nur München ein bisschen anstecken konnten, sondern ganz Sportdeutschland. Ich glaube, dass das die beste Werbung für unsere Sportart war, die wir machen konnten", sprach Alexandra Burghardt, die bei den Winterspielen in Peking noch Silber als Bob-Anschieberin gewonnen hatte, für die nach der WM noch so gescholtene gesamte Mannschaft des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. In der nach Niklas Kaul mit Julian Weber ein weiterer Mainzer einen goldenen Beitrag zu einer starken Bilanz leistete. "Ich kann es immer noch nicht fassen: Ich bin Europameister", sagte auch der Speerwerfer immer wieder ungläubig und nahm die schwarz-rot-goldene Fahne gar nicht mehr von den Schultern. Als sich die Sprinter schon für die Staffel aufstellten, animierte Weber immer noch zur La Ola.

Medaillenausbeute etwas wertiger als bei EM 2018

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Auch sein Speerwurf sorgte für eine historische Klammer, nachdem Klaus Wolfermann vor 50 Jahren ausgelassen durch das Olympiastadion gesprungen war. Dessen 90,49 Meter lassen sich wegen der veränderten Speere freilich nicht mit den 87,66 Meter von Weber vergleichen. Der Mainzer hatte auch etwas mehr als die zwei Zentimeter Vorsprung, die Wolfermann 1972 hatte. Aber in seinen 38 Zentimeter Abstand zum Tschechen Jakub Vadlejch lag auch genug Dramatik.

Mit 16 Medaillen waren die deutschen Leichtathleten so erfolgreich wie bei der EM 2018 in Berlin, nur war diesmal mit sieben Titeln eine goldene mehr dabei.