99 Prozent für die Bankenfusion

249 Mitglieder der VR Bank Biedenkopf-Gladenbach stimmen in der Vertreterversammlung in der Aue Eventhalle für die Fusion. Bei drei Nein-Stimmen und drei Enthaltungen sind das 99 Prozent.   Foto: A. Schmidt

Um 21.14 Uhr recken 249 Menschen in der Aue Eventhalle ihre Stimmkarten in die Höhe – 99 Prozent der Mitglieder in der Vertreterversammlung der VR Bank...

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Biedenkopf. Um 21.14 Uhr recken 249 Menschen in der Aue Eventhalle ihre Stimmkarten in die Höhe – 99 Prozent der Mitglieder in der Vertreterversammlung der VR Bank Biedenkopf-Gladenbach. Damit ist der Weg frei zur Fusion mit den Volksbanken Dill und Herborn-Eschenburg.

Deren Vertreter hatten in vergleichbaren Versammlungen schon an den beiden Vortagen abgestimmt. 100-prozentige Zustimmung fand das Projekt bei den Vertretern der Volksbank Dill, bei der Volksbank Herborn-Eschenburg standen der groß;en Mehrheit von 79 Ja-Stimmen nur vier Ablehnungen gegenüber. Am Freitag wurde der Verschmelzungsvertrag dann auch schon notariell beurkundet.

Dass die VR Bank an diesem Donnerstagabend einen entscheidenden Schritt tut, ist der Versammlung von Anfang an anzumerken. Nicht allein deshalb, weil der Aufsichtsratsvorsitzende Torsten Märte in seiner Begrüß;ung von einer "historischen Vertreterversammlung". Er ist auch peinlichst darum bemüht, bloß; keine formalen Fehler zu machen. Als die Versammlung auf Antrag eines einzelnen Vertreters darüber abstimmt, ob die spätere Entscheidung über die Fusion in geheimer Wahl vonstattengehen soll, lässt er die Zahl der Ja-Stimmen von den Stimmzählern mehrfach ermitteln und verzichtet auch nicht darauf – obwohl im Grunde unnötig – die Nein-Stimmen abzuzählen. Doch der Versammlung ist nicht nach geheimer Wahl: 13 Voten für geheime Wahl stehen 225 Nein-Stimmen gegenüber.

Keiner der Redner an diesem Abend lässt einen Zweifel daran, dass er die geplante Fusion für eine gute Sache hält. Marco Schulz, Mitglied im Vorstand des Genossenschaftsverbandes Verband der Regionen, gibt den Ton vor.

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Digitalisierung, Regulatorik und Niedrigzins stellen Banken vor neue Herausforderungen

Der "Datensammelwahn" der europäischen Behörden und die Digitalisierung stelle gerade kleine und mittlere Banken vor wachsende Herausforderungen. Sich aus der Position der Stärke heraus mit zwei anderen starken Partnern zusammenzutun, sei daher kein Fehler, sondern im Gegenteil ein "urgenossenschaftliches Prinzip".

Vorstandssprecher Wolfgang Brühl ist es vorbehalten, rechtliche Detailfragen der Fusion zu beleuchten. Er erläutert, wie es mit Vorständen und Aufsichtsräten weitergeht, was aus den Geschäftsanteilen wird, welche Folgen die Fusion für die Beschäftigten der drei Banken hat (siehe Infokästen). Brühl geht auch auf die Ziele der Fusion ein. Um Zukunftssicherung gehe es, um den Ausbau der Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit. Die Gründe sieht er wie Schulz in der überbordenden Regulatorik, dem anhaltenden Niedrigzins und dem digitalen Wandel. "Die Verschmelzung entsprich den Interessen der beteiligten Genossenschaften sowie ihrer Mitglieder, Kunden und Mitarbeiter am besten", sagt Brühl. Wandel und Veränderung habe es zu jeder Zeit gegeben, wirbt er um die Zustimmung der Vertreter. Nun gehe es darum, in Gestalt der VR Bank Lahn-Dill "eine starke Bank für eine starke Region" zu schaffen".

Als nach einigen juristischen Formalien wie dem Verlesen des Prüfungsgutachtens des Genossenschaftsverbandes die Abstimmung ansteht, ist das Votum eine klare Sache: Genau 249 der zu diesem Zeitpunkt anwesenden 255 Vertreter setzen auf den Erfolg einer neuen VR Bank Lahn-Dill.