Der goldene Boden wird zum Glatteis

Gut 38 Prozent der Handwerksbetriebe rechnen mit einer Verschlechterung der Lage aufgrund der Corona-Pandemie. Symbolbild: Kadmy/Fotolia

38 Prozent der Handwerksbetriebe rechnen mit einer weiteren Verschlechterung ihrer Lage. Das ergab eine Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Kassel.

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MARBURG-BIEDENKOPF/KASSEL. Von wegen "Handwerk hat goldenen Boden": Fast ein Drittel der heimischen Handwerker sehen in der Corona-Pandemie ihre Lage als schlecht an. Die aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Kassel, zu der auch der Landkreis Marburg-Biedenkopf gehört, hat das vierte Quartal 2020 erfasst. Die Zahlen zeigen, dass die Achterbahnfahrt in der Handwerkskonjunktur weitergeht. Nach der Erholung im Herbstquartal sind viele der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk durch die zweite Corona-Welle wieder in deutliche Turbulenzen geraten und die Stimmung hat sich weiter verschlechtert.

Insgesamt gut 29,2 Prozent geben der aktuellen Geschäftslage die Note "schlecht", vor einem Jahr waren es 10,2 Prozent. Die Anzahl der "gut"-Meldungen ging von 45,5 auf 36,7 Prozent zurück. Auch die Geschäftserwartungen werden düster beurteilt: 38 Prozent (Vorjahr: 18,4 Prozent) befürchten eine weitere Verschlechterung, während lediglich acht Prozent von einer Verbesserung ausgehen.

Dadurch ist auch der Geschäftsklimaindex ins Trudeln geraten. Er sank im Vergleich zum Vorquartal um 23 Punkte auf 86,7 Punkte. Der Vorjahreswert betrug 110,5 Punkte.

"Während im Bauhaupt- und insbesondere im Ausbaugewerbe nach wie vor gutzutun ist, hat der Rest des Handwerks mit einer teils existenziellen Krise zu kämpfen", sagt Kammerpäsident Heinrich Gringel. Das Stimmungsbarometer stürzte insbesondere bei den privaten Dienstleistern regelrecht ab: Hier schätzen 70 Prozent ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht ein.

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Auch die Kfz-Betriebe betrachten die aktuelle Situation alles andere als rosig. Der Autohandel liegt nach wie vor brach und die Werkstätten sind durch die gesunkenen Wartungsintervalle nur schwach ausgelastet. Die Bäcker und Fleischer leiden unter der Schließung der Verzehr-Bereiche und dem Wegfall des Catering-Geschäftes.

Umsatzeinbußen und weniger Auslastung

Auch die Handwerke für den gewerblichen Bedarf müssen Umsatzeinbußen hinnehmen, da die Industrie angesichts der zurückgegangenen Nachfrage weniger Aufträge zu vergeben hatte.

Die gegenwärtig schlechte Lage der Betriebe spiegelt sich vor allem in den Auftragseingängen: 42,4 Prozent mussten Auftragseinbußen und 35,1 Prozent Umsatzrückgänge hinnehmen. Außerdem beklagt knapp ein Fünftel der Betriebe, nicht einmal zur Hälfte ausgelastet zu sein.

Und: Lediglich 9,2 Prozent der Umfrageteilnehmer gehen von einer Verbesserung der Geschäftslage im ersten Quartal 2021 aus, während 38 Prozent sogar mit einer weiteren Verschlechterung rechnen.