Dicke Luft unter den Vakuum-Riesen

30,15 Prozent am Aßlarer Spezialpumpenhersteller Pfeiffer Vacuum gehören nun der Busch-Gruppe. Damit haben die Schwarzwälder ein Etappenziel erreicht.  Foto: Pfeiffer Vacuum

Dicke Luft herrscht in der Vakuum-Branche zwischen Pfeiffer Vacuum und der Busch-Gruppe, die den Aßlar Spezialpumpenhersteller übernehmen will. Spannung verspricht die...

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Aßlar. Dicke Luft herrscht in der Vakuum-Branche zwischen Pfeiffer Vacuum und der Busch-Gruppe, die den Aß;lar Spezialpumpenhersteller übernehmen will. Spannung verspricht die Pfeiffer-Aktionärsversammlung am 23. Mai in Wetzlar. Dann treffen beide Seiten aufeinander.

Inzwischen hat die Busch-Gruppe nach eigenen Angaben die Kontrollschwelle von 30 Prozent an Pfeiffer Vacuum knapp überschritten. Sein Gewicht möchte der mit Abstand größ;te Einzelaktionär im Aufsichtsrat von Pfeiffer Vacuum widergespiegelt sehen. Ein Familienmitglied soll den Vorsitz übernehmen. Parallel dazu übt Busch Kritik am amtierenden Aufsichtsratschef Michael Oltmanns. Ihm fehle es an der notwendigen Unabhängigkeit in der Übernahmesituation, lautet der Vorwurf.

Gegenseitige Vorwürfe prägen seit Monaten die Schlagzeilen im Übernahmepoker zwischen den Aß;larern und der Unternehmensgruppe aus dem Schwarzwald.

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Nachdem die Busch-Gruppe, eine führende Kraft im Grobvakuum, ein erstes Angebot für Pfeiffer Vacuum, Marktführer im Hochvakuum, Anfang April überraschend zurückgezogen hatte, legte sie nur wenige Wochen später mit einem zweiten Anlauf zum erhöhten Preis von 110 Euro je Aktie nach. Doch auch der stieß; bei Vorstand und Aufsichtsrat von Pfeiffer Vacuum auf strikte Ablehnung.

Busch: "Wir streben weder eine Integration noch Kostensynergien an. Vielmehr geht es uns um Wachstum"

Die Offerte sei weder im Interesse der Pfeiffer-Aktionäre, noch sei der Preis in irgendeiner Weise angemessen, so die Kritik. Vielmehr sind die Aß;larer überzeugt davon, dass Busch die Kontrolle über ihr erfolgreiches Unternehmen anstrebt.

Gemeinsam Front gegen die Übernahme machten vor zwei Wochen auch der Pfeiffer-Betriebsrat und die IG Metall. Die Arbeitnehmervertreter forderten die Aktionäre auf, das Angebot abzulehnen, weil mit Busch der Tarifausstieg und eine Gewinnabschöpfung bei Pfeiffer Vacuum drohten.

Auf derlei Äuß;erungen reagiert man bei Busch mit Unverständnis. "Wir wollen unsere Beteiligung an Pfeiffer Vacuum nur erhöhen. Wichtig ist uns: Wir streben weder eine Integration noch Kostensynergien an. Vielmehr geht es uns um Wachstum", erklärte Sami Busch, einer der geschäftsführenden Gesellschafter: "Wir wollen, dass Pfeiffer Vacuum eigenständig und börsennotiert bleibt."

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Auch an den bestehenden Arbeitsverhältnissen und -bedingungen solle sich nichts ändern, sagte Sami Busch: "Die Busch-Gruppe ist ein solides deutsches Familienunternehmen mit starken unternehmerischen Werten."

Die Busch-Gruppe habe Vorstand und Aufsichtsrat von Pfeiffer Vacuum angeboten, diese und weitere Punkte in einem Vertrag festzuschreiben. Doch weder Vorstand, Aufsichtsrat noch Arbeitnehmervertreter seien bereit gewesen, über diesen zusätzlichen Vertragsentwurf zu sprechen. Sami Busch: "Wir haben mehrfach den Dialog gesucht, um eine Basis für ein vertrauensvolles Verhältnis zu legen und auch den Mitarbeitern zu zeigen, dass wir ihre Interessen schützen möchten." Die Gesellschafter sprach von einer "Verweigerungshaltung zum Nachteil des Unternehmens, der Mitarbeiter und aller Aktionäre".

"Das ist falsch", erwiderte Pfeiffer-Vorstandschef Manfred Bender. Über angebliche Zugeständnisse habe es nie Verhandlungen gegeben. Über einen Busch-Anwalt sei ein Schreiben mit "lapidaren Aussagen ohne juristisch bindenden Charakter" bei Pfeiffer Vacuum eingetroffen. Dasselbe Schreiben sei öffentlichkeitswirksam zeitgleich an eine Nachrichtenagentur gegangen. Der Ausschluss eines Arbeitsplatzabbaus für die Dauer von zwei Jahren sei ein Punkt darin gewesen. Bender: "Das ist kein Zugeständnis. Wir sind ein überaus erfolgreiches, wachsendes Unternehmen. Mit absoluter Sicherheit sind Entlassungen bei uns kein Thema. Wir sind kein Sanierungsfall." Ihn ärgere, dass hier der Eindruck vermittelt werde, Pfeiffer Vacuum müsse dankbar sein für die Unterstützung durch Busch. "Wir konnten, können und werden auch künftig ohne Busch leben können – wahrscheinlich sogar besser", sagte der Vorstandschef.

Zu den von Busch geschilderten mehrfachen Kontaktversuchen erklärte Bender: Zuletzt Anfang April habe in Basel ein gemeinsames Treffen zwischen ihm und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Oltmanns mit zwei Mitgliedern der Busch-Familie stattgefunden, das aber ergebnislos geendet sei. Zumindest sind sich beide Parteien nun darüber einig geworden, dass es am Vorabend der Hauptversammlung am 23. Mai ein Treffen geben soll.

Über die Leistung des Aufsichtsratschef wollen die Schwarzwälder gesondert abstimmen

Einen Tag später in der Stadthalle Wetzlar will Busch die Aktionäre insbesondere über die Leistung Oltmanns individuell abstimmen lassen. Sami Busch: "Wir sehen relevante Interessenskonflikte, die zum Nachteil des Unternehmens, der Mitarbeiter und der Aktionäre sind. Die Kanzlei Menold Bezler, bei der Herr Dr. Oltmanns Partner ist, hat in den vergangenen fünf Jahren laut Geschäftsbericht von Pfeiffer Vacuum mehr als eine Million Euro an Aufträgen des Unternehmens erhalten und verdient auch gegenwärtig an der Abwehr unseres Angebotes sehr gut. Doch ein Aufsichtsratsvorsitzender muss laut Gesetz gerade in einer Übernahmesituation zunächst neutral sein. Das scheint hier offenkundig nicht mehr gegeben."

Auch dem widersprach Bender vehement. Fakt sei, dass Oltmanns persönlich Pfeiffer Vacuum in den letzten Jahren nicht beraten habe. Richtig sei, dass andere Anwälte aus Oltmanns Kanzlei das Unternehmen beraten hätten. "Das ist legitim", sagte der Vorstandchef. Im Umgang mit Busch aber sei bereits vor eineinhalb Jahren entschieden worden, dass zwei andere Kanzleien dafür beauftragt werden. Bender sieht die Gründe für die Kritik an Oltmanns vor allem im Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden, den Busch für sich beanspruchen will.

Noch ist die Einzelabstimmung für den Aufsichtsrat beim Aktionärstreffen nicht beantragt. Fest steht indes der Tagesordnungspunkt "Diskussion des Übernahmeangebots". Es ist damit zu rechnenen, dass sich diesmal mehr Pfeiffer-Aktionäre auf den Weg nach Wetzlar machen, als in ruhigen Jahren.