Rewe und Aldi setzen auf „Das Westend“

Abschied vom Großflächenmarkt: Das Rewe-Center in der Braunfelser Straße wird seit Anfang Juni abgerissen.  Foto: Gross

Gut 20 Jahre galten Toom und dann das Rewe-Center in der Braunfelser Straße als eine Art Supermarkt-Institution. Vor wenigen Tagen startete der Abriss. Bis Ende 2019 soll ein...

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Wetzlar. Gut 20 Jahre galten Toom und dann das Rewe-Center in der Braunfelser Straß;e als eine Art Supermarkt-Institution. Vor wenigen Tagen startete der Abriss. Bis Ende 2019 soll ein neues, modernes Rewe-Center gebaut werden. Auch Aldi Süd zieht an den Standort.

In das neue Fachmarktcenter "Das Westend" investiert die Allgäuer Karl und Jakob Immler GbR als Grundstücksbesitzer und Bauherr einen zweistelligen Millionenbetrag. Rewe reagiere mit dem Schritt auf ein verändertes Einkaufsverhalten, erklärte Expansionsleiter Andreas Immler.

Wöchentliche oder gar zweiwöchentliche Groß;einkäufe gehörten der Vergangenheit an, Kunden neigten heute eher zu Spontankäufen, häufiger würden Frischprodukte gekauft, so Anja Krauskopf, Sprecherin der Rewe Group. Nicht mehr angesagt sei der Non-Food-Bereich mit weiß;er Ware. Die 6303 Quadratmeter Verkaufsfläche des bisherigen Groß;flächenmarktes galten zuletzt als überdimensioniert, die Wege als zu weit, die Einkaufsdauer als zu lang.

Immler und Rewe haben Lösungsmöglichkeiten gesucht – und gefunden: Das komplette Areal wird in Abstimmung mit der Stadt neu strukturiert. Das neue Marktgebäude wird etwa halb so groß; wie das bisherige. Trotzdem bleibe die Verkaufsfläche insgesamt annähernd gleich, so Immler. Denn ein separater Rewe-Getränke-Markt (900 Quadratmeter) und eine Aldi-Süd-Filiale (1200 Quadratmeter) sind schräg über den Parkplatz am Fuß;e des Hangs geplant. Hinzu kommen fünf Shops hinter der groß;en Glasfassade des neuen Rewe-Centers, voraussichtlich Apotheke, Frisör, Nagelstudio, Lotto- und Zeitschriftenladen mit Postagentur und auf rund 200 Quadratmetern ein Bäcker mit Bistro. Dafür sucht Immler jeweils noch Betreiber. Aktuell lägen die Arbeiten im Zeitplan. Die Fertigstellung sei für Ende 2019 anvisiert, so Immler. Vom "Einkaufserlebnis mit moderner Anmutung", spricht der Bauherr. Kurze Wege sind das Ziel. Dafür soll auch die Anfahrtsituation verbessert werden. Neben der Zufahrt Westendstraß;e wird es eine zweite, von der Braunfelser Straß;e direkt zum Center-Eingang, geben. Dafür wurde ein Verkehrsgutachten erstellt. Der Parkplatz hat künftig 298 Stellplätze.

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Statt einer direkten Filiale der Rewe Group werde künftig auf ein Betreibermodell mit einem Kaufmann aus Bad Berleburg gesetzt, sagte Krauskopf. Das Angebot werde 30 000 bis 40 000 Artikel umfassen, der Fokus auf Frische mit attraktiver Obst- und Gemüseabteilung sowie Bedientheken, Service und Nachhaltigkeit gelegt. Beheizt werden soll das Gebäude allein über die Abwärme der Kühlanlagen.

Die bisherigen 30 Rewe-Mitarbeiter hätten für die Übergangszeit in anderen Märkten untergebracht werden können und eine Rückkehrzusage erhalten, so Krauskopf. Im neuen Rewe sollen 70 bis 100 Mitarbeiter beschäftigt werden.

Auch Aldi Süd nutzt die Entwicklung des Supermarktgeländes für eine Neuausrichtung. Die vor 18 Jahren eröffnete Filiale in der Alten Straß;e werde mit dem Umzug Ende 2019 aufgegeben, sagte Aldi-Süd-Prokurist Björn Hanke. Auch Aldi verfolge an der Braunfelser Straß;e neue Konzepte bei Architektur und Einrichtung. Der einstige Pragmatismus soll von einem freundlichen Marktdesign mit Tageslicht, offenen Decken und Regalsystemen in Holzoptik abgelöst werden. Neu wird auch das Backwarensortiment unter dem Namen "meine Backwelt" sein.

Konkurrenten sehen sich gegenseitig als Frequenzbringer – gute Erfahrung an vielen anderen Standorten

Mit dem Umzug an die Braunfelser Straß;e wird der Discounter seine Verkaufsfläche auf 1200 Quadratmeter vergröß;ern. Die bisherige, etwas isolierte Lage im Gewerbegebiet sei nicht ideal, sagte Hanke. Aldi Süd und Rewe hoffen am neuen gemeinsamen Standort auf Umsatzzuwächse. Eine Konkurrenzsituation zwischen den Märkten schließ;t Hanke nicht völlig aus, die Synergieeffekte würden aber deutlich überwiegen – wie an anderen gemeinsamen Standorten deutlich werde.

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Auch von den Einzelhändlern auf der anderen Seite der Westendstraß;e wie dm Drogeriemärkte und selbst Konkurrent Lidl erhoffe sich Aldi Süd zusätzliche Frequenz. Heute werde häufig produktabhängig in unterschiedlichen Märkten gekauft, so Hanke.

Bürgermeister, Bau- und Wirtschaftsdezernent Harald Semler (FW) dankte dem Bauherrn für die Entscheidung, nach 20 Jahren erneut in den Einkaufsstandort zu investieren.

Rewe und Aldi Süd werden Mieter bei der Karl und Jakob Immler GbR.